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Akari I. stirbt überraschend. Inauguration von Akari II. Bio-Axiom.

Staatstrauer in der Allianz. Die Tochter der Präsidentin, Isabella Akari Inghana-Shawnee, mit 96 Jahren eine der jüngsten Flottenadmiräle und zu dieser Zeit kommandierender Offizier der 83. Heimatschutzflotte im Asgard-System, folgt ihr als Reshumanis Präsidentin (Sol und Allianz).

Der Tag der Inauguration wird zum allianzweiten Feiertag.

Gerüchten zufolge steht Akaris plötzlicher Tod im Zusammenhang mit einer Chinti-Geheimoperation. Danach war Akari I. kompromittiert durch biologische Manipulator-Sonden. Durch die Kollision ihres Schiffes mit einem Kuipergürtel-Objekt tötet sie sich selbst (und die Besatzung), um zu verhindern, dass ihre Entscheidungen von den Chinti-Sonden kontrolliert werden. Sie wird nicht reaktiviert, da nicht bekannt ist, wann die Infektion stattfand und Backups möglicherweise auch betroffen sind.

Nach offizieller Darstellung war sie unterwegs auf einer Inspektionsreise. Sie traf dabei auf ein Schwarmschiff und verhinderte durch ihren persönlichen Einsatz die Neutralisierung wichtiger Verteidigungsanlagen.

Eine Reaktivierung als Android, Mech oder Avatar hatte die Präsidentin ausgeschlossen. Zitat: "Menschen sollen nicht von Robotern regiert werden". Seitdem gilt das sogenannte Bio-Axiom. Obwohl nie als formales Gesetz beschlossen, hat der Grundsatz lange Bestand. Er wird später sogar ausgeweitet auf das Kabinett, Berater und leitende Beamte. Mit hohen Ämtern ist der Verzicht auf Reaktivierung verbunden.

Auch eine Reaktivierung mit Amtsverzicht ist tabu. Manche Regierungen und Einzelpersonen sind sehr lange im Amt, oft Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Ihre Beziehungsnetzwerke wachsen im Lauf der Zeit durch lange Vertrautheit, gemeinsame Krisenbewältigung, gegenseitige Gefälligkeiten und Abhängigkeiten. Man will verhindern, dass diese Personen nach dem offiziellen Amtsverzicht Schattenregierungen bilden und weiter Einfluss ausüben. Wer regieren will, muss auf ein ewiges Leben verzichten, zumindest in der realen Welt. Eine Simulation in der virtuellen Sphäre ohne Realwelt-Kontakt ist davon ausgenommen. Das ist trotzdem ein signifikantes Opfer in einer Zivilisation der das Konzept eines permanenten Todes fremd ist. Aber auch die originalen biologischen Körper haben eine Lebenserwartung von Jahrhunderten und die Grenzen von medizinischer Hilfe, prothetischer Aufrüstung und vollständigen Mechs sind fließend.

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Reshumanis-Finanzreform. Zentralisierung der Haushalte.

Die Finanzverwaltungen der Reshumanis-Mitglieder werden zu Filialen der Reshumanis-Finanzkammer von Cobol.

3260

Erfolgreicher Schlag gegen ein Chinti-Schwarmherz System.

Nukleare Bombardierung von Himmelskörpern und interplanetaren Einrichtungen. Da kinetische Schläge völlig ausreichen, um Planeten zu sterilisieren ist der Einsatz von Fusions- und Antimateriesprengköpfe ungewöhnlich. Aber die Führung der Reshumanis-Flotte wollte vermeiden, dass die tief eingegrabenen Anlagen der Chinti einen kinetischen Angriff überstehen könnten.

3280

Kolonialplaneten treten Reshumanis bei.

3300

Begriffsveränderung: Reshumanis wird zum Synonym für das Imperium der Menschen.

Seit über 100 Jahren befindet sich die Allianz der Menschenwelten im Konflikt mit der Chinti-Domäne. Reshumanis hat die Verteidigungsanstrengungen gebündelt, die Systeme gesichert und bedeutende Erfolge gegen Chinti-Schwärme und Schwarmherzen erzielt. Reshumanis ist die interstellare Organisation, die hunderten Milliarden Sophonten der menschlichen Sphäre Sicherheit gibt.

An der Spitze steht Akari II., Präsidentin von Reshumanis im Solsystem, Beschützerin des Solsystems, Präsidentin der Cobol-Föderation, Oberkommandierende der Reshumanis-Streitkräfte, per Referendum bestätigte und von allen Mitgliedern gewählte ständige Präsidentin des interstellaren Exekutivrats.

Der Begriff Reshumanis war angelehnt an das lateinische res publica (wörtlich "öffentliche Sache", speziell "Gemeinwesen"). Reshumanis bezeichnete die "Sache der Menschen". Tatsächlich war Reshumanis nie eine Republik. Reshumanis wurde gegründet als militärische Allianz von Menschenwelten und war wiedererstanden als Identifikationsmerkmal für alle von Menschen besiedelten Systeme der inneren Sphäre während der Rückeroberung des Solsystems.

Als im Solsystem nach der Dellianer-Besatzung die staatlichen Strukturen wiederhergestellt wurden, wählte Akari I. den Namen der interstellaren Reshumanis-Allianz auch für die Organisation des Solsystems. Sie grenzte die neue Regierung damit bewusst ab von den Vorläufern im Solsystem, der United Planets (UPO) und der solaren Koalition. Sie verwendete den Namen unter dem das Solsystem befreit wurde. Reshumanis war schon damals ein Ideal der Freiheit. Wieder 130 Jahre später, nach einem langen schweren Krieg in dem nur die Reshumanis-Allianz zwischen der Menschheit und dem Untergang steht, verspricht der Begriff Sicherheit.

Hunderte Milliarden Menschen – inklusive Genmods, Transhumane, Mashups und Infosophonten, ob Bios, Mechs oder Hybride – verwenden den Begriff als ob sie "unser Imperium" sagen würden. Reshumanis ist ihr Staat, ihre Heimat. Und Akari II. ist ihre Beschützerin.

Umgangssprachlich wird statt "Präsident" inzwischen auch der Begriff "Beschützer" benutzt. Der Titel stammt ursprünglich von den barbarischen Fremdherrschern des Solsystems. Aber für mehrere Generationen bezeichnete er die oberste Autorität für die Milliarden Sophonten eines ganzen Sonnensystems. Akari I. übernahm den Titel, um auszudrücken, dass mit ihrem Amtsantritt als Präsidentin nun die Menschen wieder sich selbst regieren. Der Titel Beschützer gilt formal nur im Solsystem. Aber Akari II. wird auch in anderen Systemen als Beschützer bezeichnet. Inzwischen ist sie informell Beschützer der Menschheit.

Sie ist damit in den Augen (und Optiken) der Menschen die oberste Autorität der menschlichen Sphäre, mit anderen Worten: die Imperatorin.

Neben dem Imperiumsbegriff haben sich auch andere Bedeutungen gewandelt. "Präsident" wurde zum Synonym für einen Herrscher, den man früher König genannt hätte. "Senatoren" bezeichnet eher Angehörige reicher Familienclans, als gewählte Volksvertreter. "Berater" sind hohe Würdenträger mit Einfluss auf die Regierungsgeschäfte und oft ressortübergreifenden Vollmachten. Die Posten der "Minister", früher die leitenden Mitglieder der Regierung mit Kabinettsrang, werden mit Beamten besetzt. Zum Beispiel sind die "Innenminister" die Chefs der diversen zivilen Polizeieinheiten. Der Berater für Inneres (Consultant of the Interior) leitet die übergeordnete Behörde und der oberste Strategieberater (Chief Consultant of General Strategy) bildet mit anderen "Chefberatern" die Regierung des "Präsidenten".

3320

Der Sitz des Imperiums wird nach Sol verlegt.

3340

Brückenkopf bei Sigma Tschzssfs.

Der 17. imperialen Proaktivflotte gelingt die Vernichtung mehrerer Chinti-Schwarmflotten durch eine koordinierte Aktion in wichtigen Chinti-Abwehrsystemen und der Schwarmherzwelt Szshnszz.

Die meisten Systeme kann man so nahe an der Chinti-Domäne nicht lange halten, aber eines der Chinti-Randsysteme, Sigma Tschzssfs, kann doch als vorgeschobene Basis befestigt werden.

In den drei vorangegangenen Jahren wurden dafür die ballistischen Schilde abgelegener Imperiumssysteme ausgedünnt und ihre aktiven Komponenten auf Megafrachter verladen. Die Frachter folgen der Flotte nach Tschzssfs und entladen die Bauteile für einen ballistischen Schild mit dem das System vor Hochgeschwindigkeitsangriffen geschützt werden kann.

Zur Installation werden viele Gigatonnen an Material herangeführt. Neben den Komponenten des Schilds bringen Frachter Milliarden Reparatur- und Konstruktionsdrohnen in das System. In Windeseile wird die Infrastruktur für das technische Personal bereitgestellt, darunter fünf Millionen Menschen und 30 Millionen Uploads in Mechs. Andere Frachter bringen vorbereitete Ausrüstung zur Ressource-Extraktion und hunderttausende militärische Autofabs für in-Situ Herstellung antiballistischer Munition. Tausende elektromagnetische Katapulte verteilen Tiefraumsperren im System. Dazu werden einige Millionen Kubikkilometer Gestein aus den Asteroidengürteln bewegt und in weite Umlaufbahnen geschossen.

Der Energiebedarf ist gewaltig. 80 Gasminer sichern den Brennstoffnachschub für tausende Fusionsparks im ganzen System. Die Gasminer sind selbst Giganten und nicht alleine interstellarflugfähig. Für ihren Transport werden die größten ÜL-Schlepper des Imperiums gebraucht. Sie sind schon vor Monaten aufgebrochen. Die Imperiumswelten leben solange von Brennstoffreserven, die über mehrere Jahre angelegt wurden. Mehr als zehntausend Frachter bilden eine Versorgungskette von den nächsten Imperiumswelten nach Sigma Tschzssfs. Die Konvois bekommen Geleitschutz von Begleitgeschwadern, die vom Schutz kommerzieller Transporte aus dem ganzen Imperium abgezogen wurden.

Während der Installation muss das System ständig verteidigt werden. Die Schwarmflotten sind zwar geschwächt. Aber sie attackieren über Monate hinweg, um die Befestigung des Systems zu verhindern. Drei Abwehrflotten, die sonst bevölkerungsreiche Systeme schützen, sind bei Tschzssfs zusammengezogen. Zusätzlich wurden die Verbände der siegreichen 17. Flotte nach Tschzssfs verlegt und dort mit neuem Material versorgt bzw. repariert. Beschädigte Schiffe werden nicht in die Basen zurückgezogen, sondern vor Ort instandgesetzt, um die lange Transitzeit einzusparen. Zu diesem Zweck wurden die Reparatur- und Versorgungsschiffe einiger anderer Großverbände bei Tschzssfs stationiert. Einige tausend Frachter dienen als provisorische Lenkwaffenplattformen bis die militärische Infrastruktur in Betrieb ist. Sie bilden die erste Verteidigungslinie und erleiden große Verluste.

Das Oberkommando des Imperiums geht ein großes Risiko ein, um Sigma Tschzssfs als Brückenkopf zu sichern. Der Plan ist, von dort aus in die Chinti-Domäne vorzudringen. Aber dafür muss das System am Rand der Chinti-Domäne so befestigt werden, dass auch jahrelange Saturierungsangriffe die Verteidigung nicht bezwingen können. Gelingt das, dann erhält das Imperium eine Operationsbasis von der man schnelle Angriffe tief in die Chinti-Domäne durchführen kann. Gleichzeitig werden dauerhaft signifikante Kräfte des Gegners um Tschzssfs gebunden.

Bevor sich die Chinti erholen, muss in kürzester Zeit eine Infrastruktur geschaffen werden, für deren Aufbau wohlhabende Systeme sonst Jahrzehnte brauchen. Das Oberkommando setzt alles auf eine Karte.

In Erwartung dieses Durchbruchs wurde die Verteidigung anderer Systeme geschwächt. Wesentliche militärische Kräfte wurden verlagert und riesige Mengen an Ressourcen herangeschafft. Gigantische Frachtkapazitäten sind dadurch gebunden. Der interstellare Handel im Imperium geht merklich zurück. Mobilität und Schlagkraft der übrigen Flotten sind beeinträchtigt. Mehrere Gefechte und die 3. Schlacht bei Ithacae gehen deshalb verloren. Die dortige Basis der (reduzierten) 21. Abwehrflotte wird vernichtet. Ithacae wird durch kinetische Schläge ausgelöscht. 200 Millionen verlieren ihr Leben, davon 30 Millionen final.

Ein Verlust der 17. Flotte wäre zu einem großen strategischen Nachteil geworden. Nicht nur wegen der militärischen Niederlage, sondern vor allem wegen der Verschiebung von Ressourcen, die – in der Annahme eines Sieges – über Jahre zusammengezogen und dann monatelang nahe an Tschzssfs herangeführt wurden.

Aber der Plan funktioniert. Die 17. Flotte erreicht ihr Missionsziel. Der Brückenkopf kann befestigt und gehalten werden. Das Imperium hat nun die strategische Initiative und gibt sie nicht mehr ab. In den nächsten 20 Jahren wird die Chinti-Zivilisation befriedet. Sie wird besiegt, entmilitarisiert, reduziert, marginalisiert und letztlich weitgehend ausgelöscht.

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