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2506

Hephaistos-Krise.

Eine kurze Schwankung am Rohstoffmarkt bringt die Hephaistos-Assoziation in Zahlungsschwierigkeiten. Nach Jahren schwerer Krise, Bailout, Insolvenz und Hilfsprogrammen entsteht die Delphi-Föderation.

Die Hephaistos-Assoziation ist ein Zusammenschluss von Rohstoffkonzernen, Transportunternehmen und Siedlungen auf dem Mars. Die Assoziation ist hervorgegangen aus einer Gruppe von Raumfrachtunternehmen, die vor der Isolation der Erde im Libanon, Syrien, Griechenland und Nordafrika ansässig waren. Zum Zweck des Marketings wird eine Identifikation mit phönizischen und griechischen Händlern (3000 Jahre zuvor) gepflegt. Die Mitglieder von Hephaistos sind wohlhabend geworden durch die Lieferung von Rohstoffen und darauf basierenden Designs in das ganze System. Hephaistos-Mitglieder sitzen auf den bedeutendsten Titanvorkommen des Mars. Sie bilden den Kern des Titan-Kartells im inneren System. Neben der Herstellung von Fab-Input ist Hephaistos führend bei Designs, die Titan und Titanlegierungen als Input verwenden.

Aufgrund der hohen Gewinne können sich viele Hephaistos-Mitglieder freie Oberflächenbereiche und aufwändige Architektur leisten. Freie Bereiche kommen ohne feste Kuppelkonstruktionen aus. Sie halten den atmosphärischen Druck durch eine Kombination von transparenten Abschirmungen und aktiven Techniken. Freie Bereiche sind aufwändig im Unterhalt. Aber das Leben dort kommt dem auf der Erde am nächsten.

Die großzügig angelegten freien Bereiche von Hephaistos ziehen viele Unternehmen und wohlhabende Privatpersonen an. Eine Hephaistos-Repräsentanz gilt als Statussymbol. Die Lebenserhaltungsabgaben sind niedrig. Sie werden über die Einnahmen des Titan-Kartells subventioniert. Grundstücke in den freien Bereichen werden um die Jahrhundertwende sehr teuer. Die steigenden Preise stellen die Mittel bereit, um die freien Bereiche zu erweitern.

Im Jahr 2501 wird in einem seit langem bekannten Geröllhaufen-Asteroiden (Rubble Pile Asteroid) ein Titankern entdeckt. Das führt kurzzeitig zu einem Einbruch des Titanpreises.

Hephaistos macht tatsächlich nur 23% des Umsatzes mit titanbasierten Rohstoffen, davon wiederum 2/3 der Wertschöpfung mit Legierungen und Composites. Über die Hälfte des Geschäfts besteht aus Designs und Produktionsleistungen von Alltagsgegenständen bis zu Groß- und Spezialanfertigungen. Trotzdem bricht mit dem Titan-Rohstoffmarkt auch die Reputation einiger Hephaistos-Mitglieder ein. Stützungsaktionen der Assoziation sind wenig erfolgreich, aber teuer in Recap Währung (Resource Reputations und Kapazitätssystem). Daraufhin sinken die Kapazitätsbewertungen von Hephaistos auf breiter Front. Die Konten in Kapazitätsnetzwerken sind durch die Subvention der freien Bereiche schon seit längerer Zeit stark überzogen. Die Märkte erwarten, dass sich das Kapazitätsproblem dramatisch auf die Ertragssituation auswirken wird. Angesichts der hohen laufenden Kosten in den freien Bereichen, haben die öffentlichen Haushalte nur geringen Spielraum.

Innerhalb weniger Wochen fällt die Bonität auf einen Wert, der den Kauf externer Leistungen gegen Hephaistos-Kapazitätszertifikate (TOC: Titan Organization Capacity Certificate) unerschwinglich macht. Mit anderen Worten: viele Hephaistos-Mitglieder müssen ihren Import stark einschränken. Es kommt zu Engpässen bei Fab-Input für den Alltagsbedarf. Nach sechs Monaten werden Med-Produkte knapp, vor allem Bio-Prolongation, -Substitution, -Korrektur (= Lebensverlängerung, Genprothetik, allgemeine Pharmazie). Die Probleme führen zu einer fluchtartigen Abwanderungswelle der wohlhabenden Individuen und in der Folge auch von externen Unternehmen mit Sitz in Hephaistos-Bereichen. Der Immobilienmarkt bricht ein. Die Fixkosten der freien Bereiche belasten die Haushalte sehr. Im dritten Jahr der Krise wird der erste freie Bereich evakuiert und abgestellt. Ein halbes Jahr später folgen zwei weitere.

Im fünften Jahr der Krise, bricht die Lebensmittelversorgung teilweise zusammen. Hilfen kommen aus allen Teilen des Mars und von inneren Asteroiden. Sogar Venus-Habitate schicken cap-Werte, die lokal in Fooder (Food-Fabber) Input umgesetzt und an notleidende Bewohner verteilt werden.

Die Hephaistos-Assoziation verläßt das Recap-System und lässt eine TOC-Abwertung um den Faktor 4 zu. Nach langen Verhandlungen einigen sich Vertreter der Hephaistos-Assoziation, die solare Koalition und Gläubiger auf einen Umschuldungs- und Hilfsplan. Dieses sogenannte Rettungspaket hat bittere Konsequenzen. Die meisten Hephaistos-Mitglieder verlieren ihre Souveränität, davon die Hälfte dauerhaft. Sie werden von anderen Konzernen des Systems aus der Insolvenz gekauft. Der übrige Rumpf von Hephaistos schließt sich zusammen und wird nach einem Rebranding zur Delphi-Föderation. Die meisten freien Bereiche und Produktionsstätten bleiben in den Händen Externer. Die Delphi-Föderation definiert sich weitgehend als flächenloser Staat mit Bürgern auf fremden Territorien. Das Rohstoffgeschäft geht mit dem Rettungspaket verloren. Als Hauptkompetenz bleiben Fab-Design und Dienstleistungen in der Leichtmetallkonstruktion.

2511

Start der Marco Polo zum Flug nach Ross 614.

Die Marco Polo ist das erste kommerzielle Überlichtschiff. Sie braucht über zwei Jahre bei einem ÜL-Faktor von 6. Die Marco Polo führt eine Auswahl von seltenen Erden und Edelmetalle mit, da man noch nicht genau weiß, was für die Zivilisation von Dilan wertvoll ist. Einschließlich neun Monaten Aufenthalt dauert die Reise fünf Jahre. Die Marco Polo kehrt zurück mit einer kleinen Ladung High-Tech Ausrüstung von Dilan.

Die Marco Polo ist bei weitem nicht das erste solare Schiff, das das Sonnensystem verläßt. Es gab schon einige Auswander- und Forschungsschiffe, die zu nahen Sternen gereist sind. Die Marco Polo ist nicht einmal das erste Schiff, das zu Ross 614 fliegt. Nach einem Besuch eines Forschungsschiffes der ADIC gibt es dort eine Station mit acht Leuten. Aber die Marco Polo ist das erste Schiff, das primär als Handelsschiff und Frachter unterwegs ist. Sie ist das erste rein kommerzielle Überlichtschiff, das eine Alien-Zivilisationen in der Umgebung besucht.

Nach dem Eintritt in das System stellt die Marco Polo Kontakt mit der ADIC Forschungsstation her. Sie geht in einen Orbit um Dilan. Der ÜL-Antrieb hat während des Flugs stark gelitten und wurde mehrmals repariert. Die Marco Polo führt dafür Ersatzteile mit. Aber die Reparaturen auf dem Hinflug haben schon fast alle Ersatzteile verbraucht. Wichtige Komponenten des ÜL-Antriebs können nicht mit den bordeigenen Autofabs hergestellt werden. Die Marco Polo sitzt bei Dilan fest. Das Risiko mit defektem Antrieb im interstellaren Raum zu stranden, wäre zu groß.

Die Forschungsstation der ADIC hatte in den letzten Jahren ein einfaches Tauschverfahren mit den Wesen von Dilan entwickelt. Die Menschen legen einen Container mit Material offen aus und kommunizieren durch Gesten für welche Geräte sie sich interessieren. Wenn das Angebot für die Dilan-Wesen interessant ist, dann tauschen diese den angebotenen Container gegen die gewünschte Ausrüstung.

Darüber hinaus gibt es fast keine Kommunikation. Im Gegenteil, die Dilan-Wesen interessieren sich nicht für die Menschen. Menschen können sich frei im Röhrensystem von Dilan bewegen. Überall sind Dilan-Wesen. Sie nehmen aber keine Notiz von den Menschen. Nur dann, wenn Menschen etwas verändern, widersetzen sie sich. Danach kehren sie aber sofort zu ihrer (unverständlichen) Routine zurück.

Nach einigen Monaten in denen die Besatzung versucht den Antrieb zu reparieren, bietet Pono, die Leiterin der Forschungsstation, den Dilan-Wesen einen der defekten Konverterpole aus dem ÜL-Antrieb als Tauschobjekt an. Das erregt kein Interesse.

Als man versuchsweise einen Lanthan-Block dazu legt, verschwinden beide ohne Gegenleistung. Einige Tage später bringt ein Lastengleiter das Triebwerksteil direkt zur Forschungsstation. Eine Überprüfung mit den Messgeräten der Marco Polo ergibt, dass der Konverterpol wieder perfekt abgestimmt und funktionsfähig ist. Die Dilan-Wesen hatten wohl kein Interesse an einem defekten Konverterpol, aber offensichtlich den Reparaturauftrag verstanden.

Mit Hilfe der Dilan-Wesen gelingt es, den Antrieb zu reparieren und genügend Ersatzteile für den Rückflug einzulagern. Dafür werden allerdings fast alle der mitgebrachten Rohstoffe verbraucht. Es droht ein kommerzieller Misserfolg.

Beim Rückflug zeigt sich dann, dass der Verschleiß mit den von Dilan reparierten Konvertern geringer ist, als mit den Originalkomponenten. Die Marco Polo hält wieder mehrmals an, um Triebwerksteile auszutauschen. Aber es müssen viel weniger Konverterpole ersetzt werden als beim Hinflug.

Die Marco Polo erreicht das Solsystem zwei Jahre später mit einer kleinen Ladung von Konverterkomponenten, die deutlich besser sind, als alles was die solare Industrie zu bieten hat. Der Verkauf deckt alle Kosten der 5-jährigen Expedition.

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