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2478

Großrazzia im Asteroidengürtel

Bericht eines Polizeieinsatzes von Norden Esstisch, Kommandant SEK, Iris Cloning Enforcement Agency, Iris City, 2478:

Unser Ziel war eine alte Tankstation auf Asteroid 14387. Die Station war nach vorliegenden Daten vor 15 Jahren aufgegeben worden. Zumindest war das der letzte registrierte Tankvorgang. Danach gab es keine Maintenance-Besuche mehr. Statistische Verkehrsanalysen und andere indirekte Hinweise deuteten darauf hin, dass 14387 als illegale Fertigungsanlage arbeitete. Ermittlungen im Jahr 2477 im Zusammenhang mit einem endgültigen Mord in Vesta Prime gingen in die gleiche Richtung. Der aktuelle Einsatz kam zustande nachdem ein illegales Lager von Bioroiden ebenfalls auf Vesta Prime aufgeflogen war. Die dabei angefallenen Lieferdaten enthielten indirekte Hinweise auf die nähere Umgebung von 14387.

Wir näherten uns dem Ziel im Ortungsschatten von 56288. Für die letzten 300 Tkm mussten wir den Schatten verlassen, um zu 14387 vorzustoßen. Die drei Stunden verbrachten wir bei 1,5 g zum Zero-Intercept minus 2000 km. Der Anflug war so geplant, dass wir uns dem Ziel auf der abgewandten Seite näherten. Als Planungsunterlagen hatten wir die alten Backups der Betreibergesellschaft herangezogen. Die Daten sagten uns natürlich nicht, dass neue Sensorplattformen den Himmel des Asteroiden fast lückenlos (3,5 Pi) abdeckten. Das merkten wir erst später.

Jedenfalls schickten wir bei 100 Tkm Entfernung drei Naherkundungssonden. Die Sonden bezogen ihre Orbits und nahmen drei Minuten vor unserer Ankunft den Aktivbetrieb auf. Zwei davon erwischten sie sofort. Die dritte sendete uns immerhin einen Scan bevor sie neutralisiert wurde. So waren wir gewarnt. Sie aber auch. Es war auch klar, dass sie genügend Zeit gehabt hatten, die Verteidigung zu organisieren. Kein Überraschungseffekt also, aber nach kurzer Rücksprache mit den anderen Sektionsleitern entschieden wir uns, den Einsatz fortzusetzen.

Auf der Basis des Sonden-Scans ließ ich auf die Verteidigungsstellungen feuern. Dies geschah von den AKV und durch Launcher der Transporter. Danach schickten wir einen Zug Drohnen hinein. Leider wurde eines der zwei Shuttles im Anflug abgeschossen. Das zweite setzte die Drohnen ab und erhielt einen Treffer beim Abflug. Der halbe Zug stieß auf starken Widerstand von automatischen Geschützen. Wir mussten den Zug aufgeben und neutralisierten die Bodenverteidigung mit den AKV. Anschließend setzten drei Shuttles eine Kompanie unserer Kampfdrohnen ab. Die Drohnen drangen bei schwachem Gegenfeuer in den Komplex ein. Ihnen folgten neun Kontaktspezialisten in Battle-Armor aus drei Richtungen. Einer der Stoßtrupps stellte den einzigen Menschen der Anlage. Ihr Name war Alaiia Zucca. Sie tötete sich selbst bevor sie immobilisiert werden konnte. Zuccas Gehirn war zu stark zerstört zum Ghosten, aber die Infowar Leute hatten mehr Erfolg. Nachdem die Infiltratoren uns Zugang verschafft hatten, konnten wir drei KIs festnehmen. Ein KI namens Haratani Zindato-Vilmouth, der anscheinend die Operation leitete, enthielt wertvolle Hinweise auf Syndikatsstrukturen und Vertriebsnetze. Die Frau war vermutlich nur in untergeordneter Funktion tätig.

Wir fanden tatsächlich Produktionsanlagen für Bioroids. Zusätzlich auch noch mehrere Drogensynthesizer, vor allem Pitchou und Darkstar Derivate. Die Bioroids waren in verschiedenen Produktionsstadien, von Zellkulturen verschiedener Gewebe, bis zu ausgewachsenen Bioroids. Einige saßen sogar in den Programmiergeräten, als die Kontakteinheiten eindrangen. Das Ganze sah nach einer unter Volllast laufenden Fertigungsstraße aus. Leider erlitten 15 ausgebildete Bioroids explosive Dekompression, als die zweite Welle der Drohnen den Zugang aufbrach. 22 Bioroids konnten gerettet werden. Davon waren zehn für verschiedene Servicefunktionen (siehe Laboranalyse), der Rest offensichtlich Pleasuremodelle.

Insgesamt kann der Einsatz als Erfolg betrachtet werden. Die hohen Verluste unter den Drohnen sind zu bedauern. Sie sind auf die unvollständige Datenlage zurückzuführen. Es gab keine ernsthaften Personenschäden. Dafür konnten aber mehrere mutmaßliche Rouge-KI in leitenden Funktionen gefangen genommen werden.

Material: 3 Mannschaftstransporter, 5 Materialtransporter, 180 Kampfdrohnen (1:3 Defender/Enforcer Mix) in 2 Kompanien, 4 Vestigo Sonden zur Naherkundung, 1 PointDev3K Missile Defense, 2 AKV Offensiveinheiten, 3 EM Plattformen, 6 Shuttle (2 Tukker und 4 KQ3), 3 Kurzstrecken Missile-Launcher, 16 Battle-Armor.

Personal: Einsatzleitung: 3, Drohnen Operator: 5, Besatzung Kampfeinheiten: 6, Gepanzertes Kontaktpersonal: 9, Med: 2, Infowar-Infiltration: 2, Infowar-Analytik: 3.

Materialschäden: Vestigo Sonden (Totalverlust: 3), Shuttle (Totalverlust: 2), Drohnen (Totalverlust: 72, beschädigt: 12), Battle-Armor (Totalschaden: 2, beschädigt: 5).

Personenschäden: 3 Personen mit leichten Verletzungen.

2482

Flug der Tanxian Zhe zum Alpha Centauri System.

Flugzeit jeweils 2 1/2 Jahre. Vier Monate Untersuchung des Alpha Centauri Systems. Rückkehr nach fünf Jahren.

2484

Die ehemalige Führung der Pallas Domäne verläßt das Solsystem.

Die Pallas Junta benutzt eines der ersten interstellaren Überlichtschiffe, um zu einem anderen Sonnensystem zu fliegen. Viele Mitglieder der Pallas Junta gehören zu den Gründern des Transorbitalen Ausgleichs. Sie waren von Beginn an in der Führung der Pallas Domäne. Sie erklärten für Pallas die Unabhängigkeit von der Koalition, begleiteten den Aufstieg der Domäne und etablierten den Transorbitalen Ausgleich als Herrschaftsinstrument. Sie führten die ersten interplanetaren Eroberungskriege und herrschten fast 100 Jahre im mittleren System. Für 100 Jahre machten sie den Transorbitalen Ausgleich zur dominierenden Ideologie. Viele Gründungsmitglieder erlebten Aufstieg und Fall der Domäne, und wurden schließlich durch den Putsch der Nabe vertrieben. In ihrer fast 100-jährigen Herrschaft unterschlugen Mitglieder der Junta riesige Vermögen und legten sie weit verteilt im System an.

Mithilfe dieser Assets rüsten sie einen interplanetaren Frachter zum interstellaren Auswandererschiff um. Kauf und Umbau laufen über venusische Briefkastenfirmen und Offshore-Firmen in den Jupiter-Trojanern. Einige der Junta-Mitglieder sind über 150 Jahre alt. Die meisten sind inzwischen Mechs, Uploads in künstlichen Androidenkörpern. Sie fliegen als Mikro-Mechs und als Uploads in virtuellen Umgebungen. Einige konnten ihre ursprünglichen biologischen Körper bis heute bewahren und wollen sie nicht aufgeben. Sie werden in Biostasis eingelagert, damit auch sie nur minimale Lebenserhaltungsressourcen verbrauchen.

Das Schiff fliegt mit 50% der Lichtgeschwindigkeit. Es braucht 23 Jahre. Der Lebenszeitverlust durch Biostasis ist ca. zehn Jahre. Den größten Teil der Fracht belegen Ressource-Extraktoren und Autofabs mit denen im Zielsystem eine neue Zivilisation aufgebaut werden soll.

2487

Gründung der Behörde für Entwicklung und interstellare Beziehungen (ADIC) der Koalition.

Noch gibt es keine Außenbeziehungen. Aber die Menschen haben mit ersten interstellaren Reisen begonnen.

Die solare Menschheit weiß schon einiges über die nähere Umgebung. Großteleskope zeigen, dass es in der näheren interstellaren Umgebung andere Zivilisationen gibt. Bison (Billion Square Kilometer Optical Network Terrestrial Planet Cartographer) hat bei Ross 614 in 13 Lichtjahren Entfernung einen Asteroiden mit künstlichen Lichtquellen identifiziert. In einigen weiter entfernten Systemen hat Bison große technische Strukturen im interplanetaren Raum ausgemacht. Mehrere extrasolare Artefakte im Solsystem deuten darauf hin, dass in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder Besucher in unserem Sonnensystem waren. Die Daten des Kaio-Schiffs enthalten Hinweise auf interstellare Zivilisationen. Die Daten sind zwar 50.000 Jahre alt, aber es ist anzunehmen, dass es da draußen heute, wie vor 50.000 Jahren, viele andere intelligente Völker gibt. Deshalb erwartet man, dass die Menschen schon bald auf andere Völker treffen werden.

Momentan sind interstellare Reisen noch sehr aufwändig. Sie dauern mehrere Jahre und sind riskant. Aber jede dieser Expeditionen kann den ersten Kontakt herstellen. Dessen ist man sich bewusst.

Mehrere Systemmächte bereiten interstellare Expeditionen vor. Die ADIC fördert solche Missionen. Im Gegenzug für eine finanzielle Beteiligung der ADIC an den Kosten begleiten Mitarbeiter der ADIC die Expeditionen als Beobachter und Botschafter. Das gilt natürlich nur für öffentliche bekannte Aktivitäten. Einige interstellare Expeditionen werden auch im Geheimen durchgeführt.

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