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2392

Reflexmemetik macht chemische Narkose und Betäubung überflüssig.

Neue Techniken der sog. Reflexmemetik machen chemische Narkose und Betäubung überflüssig (Apathischen Analgesie).

Manche Menschen konnten mit Hilfe von Autosuggestion Schmerz unterdrücken. Schon seit langer Zeit war vermutet worden, dass jeder Mensch Schmerzen bewusst ausschalten und beherrschen kann. Aber nur Einzelne erreichten zufriedenstellende Resultate und auch nur nach längerem Training. Der Mechanismus war damals nicht wissenschaftlich nachvollziehbar. Es gab zwar viele Anleitungen, aber bei jedem Menschen funktionierte Autosuggestion zur Schmerzunterdrückung etwas anders. Jeder musste die Techniken selbst für sich entwickeln.

Mit der Entwicklung der induzierten apathischen Analgesie kann nun tatsächlich jeder Mensch sehr schnell von Schmerzen freigestellt werden und trotzdem bei vollem Bewusstsein bleiben. Apathischen Analgesie beruht auf Techniken aus der Memetik-Forschung (Reflexmemetik). Das menschliche Gehirn kann durch geeignete Signale (optische, akustische und taktile) in einen schmerzunempfindlichen Modus versetzt werden. Die Signalfolge ist individuell verschieden. Sie wird durch Tests und im Verlauf der Behandlung adaptiv ermittelt. Bei operativen Eingriffen ist apathischen Analgesie ebenso zuverlässig, wie chemische Anästhesie.

Die Anwendung solcher reflexmemetischer Manipulation ist in den meisten Gesellschaften gesetzlich geregelt und nur in besonderen Fällen, z.B. zur medizinischen Anwendung, zugelassen. Reflexmemetik kann auch mit schädlicher Wirkung eingesetzt werden. Aber normalerweise sind alle Menschen durch ihre Neuroimplanatate geschützt. Für die apathische Analgesie müssen die Schutzfunktionen natürlich deaktiviert werden.

2394

Inbetriebnahme des Starprobe Projekts.

Offizieller Projektname: Ultra High Velocity Long Range Autonomous Explorer Swarm. Ein 10.000 Kilometer langes elektromagnetisches Katapult schießt einen Schwarm mikroskopisch kleiner Elemente auf nahe interstellare Ziele.

Die Elemente des Schwarms erfahren eine Beschleunigung von mehreren Millionen G. Sie müssen deshalb sehr klein und kompakt sein. Größere Strukturen würden von den Gezeitenkräften differentieller Beschleunigung zerrissen.

Die Einzelteile sollen sich im Flug zu Erkundungssonden zusammensetzen und das Zielsystem im Vorbeiflug untersuchen. Ein Abbremsen ist nicht vorgesehen.

Der Schwarm fliegt mit 4% der Lichtgeschwindigkeit und ist mit 12.000 km pro Sekunde das Schnellste, das die Menschheit je auf Reisen geschickt hat.

Jeder "Schuss" besteht eigentlich aus einer komplexen Folge von Bündeln, die kurz nacheinander in genau abgestimmtem Abstand abgefeuert werden. Die Bündel haben unterschiedliche Funktionen. Es gibt verschiedene Mikroschilde, die mechanisch und elektromagnetisch einen Schusskanal frei räumen. Weitere Bündel enthalten die Einzelteile von Survey-Sonden, die Planeten und andere interessante Ziele identifizieren. Die Survey-Sonden geben ihre Ergebnisse an später folgende Scout-Sonden weiter. Die Scout-Sonden entwickeln lange vor dem Ziel Delta-V, um nahe an den Planeten des Zielsystems vorbeizufliegen. Am Ende der Schussfolge kommen Bauteile für Kommunikationslaser, die alle Daten in das Solsystem zurück senden. Auf vielen Ebenen ist Redundanz vorgesehen. Die Sonden werden aus dem Elementpool des Schwarms entsprechend den jeweiligen Aufgaben zusammengesetzt.

Der ganze Prozess muss automatisch ablaufen, da keine Kommunikation mit dem Schwarm in Echtzeit möglich ist. Über die Frage des Intelligenzniveaus der Steuereinheiten gibt es Konflikte zwischen den beteiligten Wissenschaftlern, der Öffentlichkeit und Politikern. Eigentlich müsste der Schwarm mit KI ausgestattet werden, um flexibel auf Ereignisse zu reagieren. Aber viele zögern, selbständige KI in das Universum zu schießen. Theoretisch könnte der Schwarm nach der Zielerkundung abbremsen, nach Millionen Jahren, durch die Ausnutzung von interstellaren und interplanetaren Magnetfeldern. Dann hätte man unkontrollierte KI freigesetzt, die über sehr flexible Möglichkeiten zur Rekonfiguration und Selbstreparatur verfügt.

Die Frage wird nicht einheitlich entschieden. Letztlich werden im Lauf der Jahrzehnte verschiedene Konfigurationen entsandt. Dabei sind auch einige autonome KI für besonders anspruchsvolle Zielsysteme.

Starprobe wird 2428 aufgewertet mit Konvertertechnologie für eine Endgeschwindigkeit von 12% der Lichtgeschwindigkeit.

2397

Inbetriebnahme des Billion Square Kilometer Optical Network Teleskops.

Der Billion Square Kilometer Optical Network Terrestrial Planet Cartographer (BSON-TPC, kurz: Bison) hat eine interferometrische Ausdehnung von zehn Millionen Kilometern und eine effektive Fläche von 80 Millionen Quadratkilometern. Geplant ist ein späterer Ausbau auf 1 Milliarde Quadratkilometer Fläche.

Bison ist in der Lage extrasolare Planeten in 30 Lichtjahren Entfernung mit 10 km Auflösung zu kartographieren. Das reicht im Allgemeinen nicht, um Strukturen intelligenten Lebens zu entdecken, aber Kontinente, Land- und Wasserflächen und Wolkenformationen sind deutlich zu erkennen.

Die Beobachtungen im Lauf der nächsten Jahrzehnte liefern einige Überraschungen. Der aufgrund der Hinweise des Kaio-Schiffes vermutete Planet bei Ross 614 erweist sich als Asteroid von Vesta-Größe. Auf einem Planeten von Gliese 581 gibt es eine unerklärliche tektonische Aktivität, die 50 km große Strukturen periodisch im Ozean auftauchen und versinken lässt. In dem System, das 200 Jahre später als Artu bekannt wird, existieren im interplanetaren Raum technische Einrichtungen bis zu 100 km Größe.

2400

Raumkrieg zwischen Vesta und mehreren anderen Asteroidenstaaten (Dauer: sieben Jahre).

Ausgelöst durch den Panahapaja Zwischenfall. Totalverlust mehrerer unabhängiger Stationen und Basen mit insgesamt 86.000 Bewohnern. Ausdehnung der Vesta Hegemonie.

Bei den Kämpfen werden 12.000 Lebenslinien von Kombattanten terminiert (60% davon Uploads und KI), davon 5000 permanent. Bis zu 2000 Permanentopfer unter Uploads und KI wegen der Zerstörung der Backups auf betroffenen Stationen. Beim militärischen Personal erfolgreiche Reaktivierung menschlicher Opfer zu 20% als Upload. Für die zivilen Opfer gibt es nur wenige Backups (3%), die meistens nicht vollständig sind. 20 Großkampfschiffe, 100 Unterstützungseinheiten und 400 autonome Kampfeinheiten werden zerstört. Wandlung der Ideologie des transorbitalen Ausgleichs zum Machtinstrument.

2403

Erste Savant-Upgrades kommen auf den Markt.

Menschen mit Savant-Fähigkeiten können gezielt Fähigkeiten verstärken, vergleichbar dem Savant-Syndrom, das von manchen Autisten bekannt ist.

Der Savant-Modus ändert die Verarbeitung im Gehirn. In einzelnen Bereichen wird die Aktivität reduziert, in anderen dafür verstärkt. Manche kognitive Fähigkeiten können wesentlich gesteigert werden, weit über das normale Maß intelligenter Menschen hinaus. Es gibt Savant-Fähigkeiten für die Steigerung von optischer und akustischer Wahrnehmung, Mustererkennung, Erinnerung, numerische Fähigkeiten, optische, akustische und numerische Reproduktion. Meistens wird nur eine Fähigkeit verstärkt. Das genügt eigentlich immer für eine gestellte Aufgabe.

Der Savant-Modus ist nicht ohne Nachteile. Bei der Aktivierung der Savant-Fähigkeit leiden oft andere Fähigkeiten, z.B. die allgemeine Motorik. Bei gesteigerter Wahrnehmung von Details ist die Synthese von Gesamtbildern gestört. Das ist zwar ein momentanes Handicap, aber nicht dauerhaft. Wenn die Aufgabe lautet, große Mengen an Information schnell aufzunehmen, dann stört höhere kognitive Verarbeitung eher.

Vieles, was durch Savant-Fähigkeiten erreicht werden kann, ist im 25. Jahrhundert auch anders realisierbar. Schnelle optische Informationsaufnahme geht über Implantate vom Sehnerv direkt in den digitalen Speicher. Die Daten können dann später ausgewertet oder abgerufen werden. Ein fotografisches Gedächtnis ist Standard. Implantate können auch die Motorik steuern. Damit können normal begabte Menschen konzertreife Reproduktionen von optischen und akustischen Werken liefern. Natürlich unterstützen Implantate auch beim Rechnen indem sie das Rechnen komplett übernehmen. Die 19. Wurzel aus einer 99-stelligen Zahl zu berechnen ist heute normal.

Aber Savant-Fähigkeiten gehen über die Möglichkeiten der Implantate hinaus. Sie geben den Anwendern eine intuitive Einsicht in die Struktur des Problems. Während Implantate vor allem die Datenverarbeitung beschleunigen, verbessern viele Savant-Fähigkeiten das Verständnis von Information.

Mit etwas Übung kann man Savant-Fähigkeiten auch kreativ nutzen. Der tiefe Einblick in die Struktur von Problemen, von Informationen und möglichen Lösungen ermöglicht vorher unerreichte Kreativleistungen. Im Savant-Modus lassen sich viel komplexere Zusammenhänge erfassen. Alle Branchen, die hochdimensionale Daten analysieren und daraus Modelle erstellen, profitieren davon. Der Zugang zu Savant-Fähigkeiten wirkt wie das plötzliche Auftauchen vieler Genies in den theoretischen Wissenschaften.

Im Lauf der Zeit werden auch neue, nicht von natürlichen Savants bekannte, Fähigkeiten entwickelt. Mit dem Ninja-Upgrade erhält man absolute Orientierung, schnelle Reflexe und eine Dehnung der Zeitwahrnehmung. Allerdings ist die Nutzung von Ninja sehr anstrengend und verlangt danach eine längere Ruhepause. Diese Fähigkeit wird trotzdem schnell zum Standard bei Spezialeinheiten.

Savant-Upgrades gibt es als Gen-Modifikation, d.h. als Zusatz zu gängigen Genvorlagen. Viele Savant-Upgrades können auch nachträglich als Nanoimplantate installiert werden.

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